Terje Lund auf dem IVSS-Konferenz in Berlin 1998:
Hörverhältnisse in Kirchen und Gemeindehäusern des Bistums Tunsbergs

Erlauben Sie mir eine kleine Selbstpräsentation: Mein Name ist Terje Marvin Lund. Ich bin Diakon in Der norwegischen Kirche und arbeite zur Zeit als Ratgeber für diakonische Sachen im Administrationszentrum des Bistums Tunsbergs. Als verantwortlicher Ratgeber für alle diakonischen Sachen habe ich auch die Schwerhörigenseelsorge als eines meiner Arbeitsgebiete.

Die Hauptaufgabe der Kirche ist das Evangelium von Jesus Christus als Heiland und Herr an alle die unsere Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser besuchen, zu vermitteln Eine großartige Arbeit wird gemacht, um Predigten und andere Vermittlungstypen - von Kanzeln, Altären und Lectoraten sowohl wie bei Taufsteinen und Särgen - vorzubereiten. Jedoch kommt häufig die Botschaft an alle Zuhörer wegen schlechter Hörverhältnisse nicht durch.

Leider sind in einer Reihe von Kirchen Lautsprecheranlagen, Hörschlingen und die Plazierung von Mikrofonen in einem wenig zufriedenstellenden Zustand.

 Rückschau

Seit sieben bis acht Jahren ist mit großem Aufwand gearbeitet, um die Hörverhältnisse in den Kirchen, Kapellen und Gemeindehäusern des Bistums Tunsbergs auszubessern.

In unserem Bistum haben wir einen energischen und großartigen Probst, Jo Bolstad, gehabt, der vielen in dieser Versammlung gut bekannt ist. Selbst schwerhörig hat er seit Jahren eine bedeutende Arbeit ausgeführt, um die Hörverhältnisse in unserem Bistum sowohl wie im ganzen Land zu verbessern.

Erst aber, wenn dies Problem der Schwerhörigen, den Gipfel der Kirche erreichte, als unser Bischof schwerhörig wurde, wurde die Arbeit ernst genommen. Dann wurden auch Investitionen zu einer Untersuchung und die danach folgende Besserung der Verhältnisse in Angriff genommen.

Eine sehr gründliche Untersuchung von 12 zufällig ausgewählten Kirchen wurde eingeleitet, und eine anerkannte dänische Firma wurde angeworben um die Aufgabe zu lösen.

Das Resultat der Untersuchung war sehr deprimierend. Dabei hatten wir eine sehr wichtige Indikation der Hörverhältnisse in unseren Kirchen bekommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren auch die Höranlagen der übrigen Kirchen mangelhaft.

Von der Bistumsadministration ging eine besondere Aufforderung an die Gemeinden, deren Kirchen am schlechtesten waren, aus, sowie eine allgemeine Aufforderung zu Verbesserung an die übrigen.

Die nächsten 4 - 5 Jahre gab es, unserer Meinung nach, eine wohlbegründete Hoffnung, daß die Kirchengemeinden dieser Arbeit Vorrang geben und auch Investitionen machen würden. Einige Kirchengemeinden hatten sich zwar für die Verbesserung der Hörverhältnisse eingesetzt und diese Aufgabe in Finanzierungplänen sichtbar gemacht.

Trotzdem war ich als verantwortlicher Ratgeber für die diakonischen Tätigkeiten des Bistums keinerlei zufrieden, wenn wie vor, die Hörverhältnisse einer Großzahl der Kirchen und Gemeindehäuser in einem sehr schlechten Zustand waren.

 Einen neuen Einsatz

Die Hörfrage wurde zunächst auf die Agenda des Ausschußes für diakonische Sachen des Bistums gesetzt, und es wurde beschlossen eine große und umfassende Untersuchung aller Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser des Bistums durchzuführen. Ein Sonderausschuß, von Sigrun Volden, Britt Dahl und mir selbst bestehend, wurde errichtet.

Wir wendeten uns an „Hørselshemmedes landsforbund (Nationaler Verband für Schwerhörige)", der, durch seine Bezirks- und Kreisvereine sehr willig zum zusammenarbeiten war. Danach wurde beschlossen, daß wir mit Hilfe der Anwender eine praktische Höruntersuchung der existierenden Lautsprecher- und Hörschlingenanlagen sämtlicher Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser des Bistums durchführen sollten.

Die Untersuchung wurde auf der Gemeindeebene durchgeführt, indem Vertreter der Gemeindetätigen - Pfarrer, Diakon oder Küster - zusammen mit Schwerhörigen, sämtliche Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser durchgegangen sind. Man hatte zunächst keine technische Expertise eingeholt. Nur hatte man sich auf den Schwerhörigen selbst, von einem Meßgerät geholfen, vertraut.

Ein Formular wurde an sämtliche Pfarrämter hinausgeschickt. Es wurde mit einer Reihe von Daten, die aus der Untersuchung herauskamen, ausgefüllt und an die Bistumsadministration zurückgeschickt.

Natürlich war es das Ziel der Untersuchung, die Hörverhältnisse in unseren Kirchen und Gemeindehäusern auf eine annehmbare Ebene zu bringen.

Etwas überraschend war das Resultat besser als erwartet. Das heißt, daß viele Kirchengemeinden die Erwerbung neuer Anlagen beabsichtigt haben. Leider wurde aber auch ein bedeutender Mangel an Instandhaltung und auch fehlende Schulung der Tätigen, die die Anlagen bedienen sollen, entdeckt.

Wo die Verhältnisse weniger zufriedenstellend waren, haben wir den Kirchenpflegern am stärksten zugemutet, die Sache auf die Tagesordnung der Kirchenkreisräte zu setzen. Die Ausbesserung sollte idealerweise im Laufe eines Jahres stattfinden.

Den ganzen Prozeß durch hatten wir fortlaufend einen guten Dialog mit den Kirchenpflegern - durch schriftliche bzw. mündliche Information. Dabei wurde auch diesen unseren Mitarbeitern die Möglichkeiten positiver bzw. negativer Zurückmeldungen gegeben.

Die norwegische Kirche ist eine sogenannte Staatskirche, also mit dem Staat sehr eng verbunden und staatlicher Gesetzgebung untergestellt.Einem neuen Kirchengesetz nach sind die Kirchenpfleger sehr wichtige Kommunikatoren in Fragen der Wichtigkeit, der Planung und der Budgetierung geworden. Wie schon erwähnt, haben die Kirchengemeinderäte, durch die Kirchenpfleger einen sehr starken Impuls bekommen, Einkäufe von neuen Anlagen wo die Verhältnisse es nötig machen, bzw. Wartung und Pflege wo dies zureicht, vorrangig zu budgetieren.

 Schulung der Kirchentätigen

Sämtliche Küster und Friedhofstätige des ganzen Bistums wurden zu einem eintätigen Kursus einberufen. Der Kursus hatte eine mehrfache Zielsetzung:

Der erste Teil drehte sich um Begegnungen mit Leuten in Trauer, wegen der Tatsache, daß diese Tätigen viele Trauernde in ihrem Alltag in den Kirchen bzw. auf den Friedhöfen treffen. Viele Angehörige kehren an die Friedhöfe zurück, um die Gräber ihrer Lieben zu pflegen. Küster und Friedhofstätige sind deswegen Personen mit denen es natürlich Kontakt geben wird. Wir möchten ihnen deswegen gerne den nötigen Hintergrund und Kompetenz geben, die schwierige Aufgabe trauernde Leute zu treffen und zu beraten.

Der zweite Teil bestand aus einer ausführlichen Schulung, mit praktischen Übungen und Demonstrationen, Höranlagen und Hörschlingen zu benutzen.

Endlich hatten wir einen Teil physischer Überlegungen, wie unsere Kirchen am besten zugänglich und anwenderfreundlich für alle Leute seien.

 Weitere Maßnahmen und Schätzung

Nach einem Jahr werden wir uns von sämtlichen Kreiskirchenräten einen schriftlichen Rapport über „den Zustand des Reiches" zuschicken lassen. Wir wünschen auch die ausgeführte Arbeit zu schätzen. Unser Ziel ist die Hörverhältnisse sämtlicher Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser bis zum Jahr 2000 auf eine annehmbare Ebene zu heben.

 Besprechungsverstärker

Feste Anlagen können aber nicht alle Probleme lösen. Der Diakonische Ausschuß des Bistums hat deswegen sämtliche Gemeindebüros zum Ankauf von Besprechungsverstärkern aufgefordert. Die Besprechungsverstärker sollen für Pfarrer und andere Gemeindetätige zur Disposition stehen für Besprechungen mit Leuten die Hörprobleme haben. Dazu sollen die Besprechungsverstärker auch vermietet werden können, z. B. für Beerdigungen und andere Zusammenkünfte, in welchen solche Geräte nötig sind.

 Informationsbroschüre an die Gemeindezeitungen

Wollen wir Resultate, ist Kenntnis am wichtigsten. Deswegen hat die Bistumsadministration eine Informationsbroschüre herausgegeben für alle, die von Schwerhörigkeit, Hörschlingen, Hörstäbchen, Mikrofonanwendung usw. lernen möchten. Die Informationsbroschüre besteht aus 12 Aufsätzen, und sie ist an alle Herausgeber von Gemeindezeitungen mit einer Aufforderung, die Aufsätze fortlaufend, je einen in jede Ausgabe zu drucken, hingeschickt. Diese Informationsbroschüre liegt auf norwegisch, sowohl wie auch auf deutsch und englisch vor.

 Schreibtelefon

Die späteste Maßnahme in der Richtung, eine bessere Verbindung der Kirche mit ihren hörbehinderten Mitgliedern zu schaffen, ist neulich in Larvik vom Pfarrer Eyolf Berg, der auch hier auf dieser Konferenz teilnimmt, gemacht. Außer den Sondergemeinden für die Gehörlosen, ist Larvik das erste Pfarramt in ganz Norwegen, daß den Hörbehinderten diese Möglichkeit bietet.

Deutsche Übersetzung: Pfarrer Eyolf Berg

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